Nachruf Josef Strähuber (*4. Februar 1944 | ✝ 21. Juli 2020)

Trauerrede von Hans-Peter Flurl

Wir verabschieden uns heute von Josef Strähuber. Es ist ein Abschied, der uns außerordentlich schwer fällt. Der irgendwie unwirklich erscheint.

Sein unternehmerisches Schaffen bleibt uns dagegen erhalten. Josef Strähuber gründete 1973 zusammen mit seiner Frau Irmgard das Unternehmen Straehuber. Er erzählte mir, dass er in den Anfangsjahren die Bodenbeläge selbst verlegt hat. Die hierdurch erworbene Fachkompetenz ist einer der Bausteine in der Entwicklung des Unternehmens.

Während meiner Studienzeit vor ca. 30 Jahren fragte ich Gerald, mit dem ich damals auch schon freundschaftlich verbunden war, ob ich im Unternehmen seiner Eltern etwas tun könnte, um mein Taschengeld aufzubessern. Das wurde mir dann ermöglicht und so lernte ich die Eltern von Gerald besser kennen. Am Ende meiner Studienzeit fragte mich Herr Strähuber, nein er sagte, zu mir, du musst im Betrieb bleiben und er lässt mich nicht gehen. Ja, seine Überzeugungskraft war schon einmalig. Ich bin bis heute geblieben!

Von da an, konnte ich mir sehr viel von ihm abschauen. Mir fällt da sofort eins der ersten Großobjekte das EAMAC in Hallbergmoos ein. Durch sein Verhandlungsgeschick erhielten wir den Auftrag. Er hatte von der Größe des Objektes Respekt. Doch durch seine Routine konnte das BV erfolgreich zum
Abschluß gebracht werden. Das Unternehmen entwickelte sich und es begann eine Reise durch Deutschland.

Mit Start München, Leipzig, Dresden, Berlin, Hamburg, Stuttgart usw. wurden hunderttausende QM von Bodenbelägen ausgeführt. Josef Strähuber dabei immer an der Spitze. Wöchentlich besuchte er die Baustellen in den neuen Bundesländern. Für ihn hatte das Wort "Zuverlässigkeit" einen hohen
Stellenwert und diese Zuverlässigkeit in der Abwicklung von Bauvorhaben wurde belohnt. Er war erfolgreich.

Im Jahre 1998 in der Hochphase der Bauausführungen in Berlin wurde das Unternehmen in die straehuber AG umbenannt und sein Sohn Gerald in den Vorstand einberufen. Kontinuität und übersichtliches Wachstum waren für ihn wichtig. Seine Tochter Simone trat im Jahre 2010 auch ins Unternehmen ein. Sie war verantwortlich für das Marketing und die Entwicklung des exklusiven Privatkundenbereiches.

Mit dem sehr schmerzlichen Tod der geliebten Tochter Simone am 15.12.2018 begannen seine gesundheitlichen Probleme, die ihm schwer zu schaffen machten. Seine geschäftliche Tätigkeit wurde hierdurch eingeschränkt. Trotzdem wollte er stets auf den Laufenden sein und hat sich bereit erklärt, einzuspringen wenn Not am Mann war oder für "Spezialaufgaben".

So war es ihm durch seine Überzeugungskraft, Verhandlungsgeschick und insbesondere durch seine bekannte Zuverlässigkeit gelungen, einen der größten Aufträge der straehuber AG den Großauftrag Riverside in Berlin im Jahre 2018 zu erhalten.

Auch ich habe ihn als Begleiter bei schwierigen Verhandlungen sehr geschätzt. Zuletzt im Dezember 2019 bei einer Schlussverhandlung zu einem Bauvorhaben einer Klink in Nordbayern. Hier ging es um Streichungen unserer Rechnung
durch die Klinik. Nachdem ich mit den Beteiligten über die strittigen Positionen
über eine Stunde ohne ein Ergebnis diskutiert hatte, fragte er in die Runde, ob  die Klinik mit der ausgeführten Leistung zufrieden wäre. Das wurde dann bejaht, und dann fragte er, welchen Grund es nun gäbe, die Rechnung nicht voll zu bezahlen. Ergebnis: die Klinik hat sich für die Leistung bedankt und die
strittigen Positionen wurden bezahlt.

Sein hohes Ansehen hat seinen guten Grund. Mir kommt dazu das Wort "Menschlichkeit" in den Sinn. Menschlichkeit auch zu seinen Mitarbeitern und den Subunternehmern. Immer ein offenes Ohr und ein offenes Wort zu haben. Das ist in der heutigen schnelllebigen Zeit etwas ganz besonderes. Seine faire,
herzliche Art und vor allem seine fachliche Kompetenz haben wir alle hoch geschätzt.

Sein Tod reisst eine Lücke im Unternehmen auf. Lieber Herr Josef Strähuber, Sie werden uns allen fehlen.